Was ist das Altersvorsorgedepot?
Zum 1. Januar 2027 führt Deutschland ein völlig neues, staatlich gefördertes Altersvorsorgeprodukt ein: das Altersvorsorgedepot. Es ersetzt die viel kritisierte *Riester-Rente* durch ein modernes, transparentes und ETF-fähiges Depot, vom Grundgedanken näher an einem US-401(k) oder britischen SIPP als an klassischen deutschen Vorsorgeprodukten.
Für Expats in Deutschland ist das die größte Veränderung in der privaten Altersvorsorge seit 20 Jahren. Wer sich früh positioniert, sichert sich über das Erwerbsleben hinweg zehntausende Euro an staatlichen Zulagen.
> Kurz gesagt: Sie investieren in ETFs, Fonds oder ETF-Sparpläne innerhalb eines speziellen Depots. Der Staat legt jährlich eine Zulage obendrauf, und die Gewinne wachsen bis zur Rente steuerfrei.
Wie stark Ihre Beiträge wachsen könnten, zeigt unser Zinseszinsrechner.
Warum Deutschland das Depot einführt
Die klassische Riester-Rente scheiterte an drei Punkten:
- Hohe Kosten, viele Verträge zehrten 30–50 % der Rendite auf
- Schwache Anlagen, überwiegend renditearme Versicherungslösungen
- Bürokratie, viele Expats und Angestellte erhielten ihre Zulagen nie
Das neue Altersvorsorgedepot behebt alle drei Probleme. Anbieter müssen ETFs und günstige Fonds anbieten, die Kosten sind gedeckelt und transparent, und die Zulage wird nach Datenmeldung automatisch gutgeschrieben.
Gerade für Expats ist das entscheidend. In unserer Übersicht der 5 teuersten Finanzfehler von Expats gehört das Verpassen staatlicher Zulagen konstant zu den Top 3.
So funktioniert es in der Praxis
Das Altersvorsorgedepot ruht auf drei Säulen:
1. Eigene Beiträge
Bis zu 3.500 € pro Jahr (geplant; Endzahlen kommen mit dem Gesetz). Beiträge sind flexibel, jederzeit pausieren, senken oder erhöhen.
2. Staatliche Zulage (Grundzulage)
Der Staat gibt 20 Cent pro eingezahltem Euro, gedeckelt bei rund 600 € pro Jahr. Für Familien mit Kindern kommt eine Kinderzulage obendrauf.
3. Steuerfreie Ansparphase
Alle Dividenden, Zinsen und Kursgewinne im Depot bleiben während der Ansparphase steuerfrei. Besteuert wird erst bei Auszahlung in der Rente, meist bei deutlich niedrigerem persönlichen Steuersatz.
> Beispiel: Ein 35-jähriger Expat, der 200 €/Monat bis 67 in einen weltweit anlegenden Aktien-ETF mit 6 % p.a. investiert, kommt auf über 270.000 €, darunter rund 19.000 € reine staatliche Zulagen.
Wichtigste Merkmale im Überblick
| Merkmal | Altersvorsorgedepot (ab 2027) | Riester (bis 2026) |
|---|---|---|
| Anlagestil | ETFs, Fonds, ETF-Sparpläne | Überwiegend Versicherung |
| Max. Beitrag | ca. 3.500 €/Jahr (geplant) | 2.100 €/Jahr |
| Staatliche Zulage | 20 % des Beitrags, bis ~600 €/Jahr | Fest 175 € + Kinderzulage |
| Beitragsgarantie | Keine 100 %-Pflicht | 100 %-Garantie Pflicht |
| Auszahlung | Flexibel. Einmalzahlung oder Rente | Meist Rentenpflicht |
| Kosten | Gedeckelt & transparent | Oft 30–50 % Renditebremse |
| Portabilität ins Ausland | Wird im finalen Gesetz geklärt | Zulage meist zurückzuzahlen |
Für wen lohnt es sich?
Das Altersvorsorgedepot ist für die meisten Angestellten und Selbstständigen in Deutschland sinnvoll, besonders für:
- Langfristig ansässige Expats, die in Deutschland oder der EU in Rente gehen wollen
- Mittleres Einkommen, das am stärksten von der 20 %-Zulage profitiert
- Familien mit Kindern dank Kinderzulagen
- ETF-Anleger, die einen steuerbegünstigten Mantel für globale Aktien-ETFs suchen
- Bestehende Riester-Sparer, die alte Verträge übertragen wollen
Weniger attraktiv ist es, wenn Sie Deutschland kurzfristig verlassen wollen, die genauen Regeln zur Zulagen-Rückforderung bei Wegzug außerhalb EU/EWR werden erst im finalen Gesetz stehen. Updates finden Sie regelmäßig in unserem Altersvorsorge-Ratgeber für Expats.
Was Expats speziell beachten müssen
Einige Punkte sind für Internationals wichtiger als für Deutsche:
- Steuerlicher Wohnsitz bei Auszahlung. Rentenzahlungen werden in Ihrem dann gültigen Wohnsitzland versteuert, geregelt durch das jeweilige Doppelbesteuerungsabkommen.
- Grenzüberschreitende Portabilität. Ein Umzug innerhalb der EU/EWR sollte Zulagen erhalten; bei Wegzug außerhalb EU droht Rückforderung. Finale Formulierung offen.
- Währungsrisiko. Das Depot läuft in EUR; wer in USD/GBP/CHF in Rente geht, muss FX-Risiko einplanen.
- Wechselwirkung mit Heimatland-Vorsorge. US-401(k), UK-SIPP & Co. folgen eigenen Regeln und müssen meist separat gemeldet werden.
Wie ETFs unter deutschem Steuerrecht am effizientesten „verpackt“ werden, erklärt unser ETF-Guide für Expats.
Was Sie jetzt in 2026 tun sollten
Auch wenn das Depot erst 2027 startet, wirken Entscheidungen aus 2026 schon nach:
- Keinen neuen Riester-Vertrag unterschreiben. Riester wird für Neukunden faktisch eingestellt.
- Bestehende Riester-Verträge prüfen, viele lassen sich ins neue Depot überführen, andere sollten beitragsfrei gestellt werden.
- Monatliches Budget freimachen, schon 100–200 €/Monat sichern einen großen Teil der jährlichen Zulage.
- Rentenlücke berechnen mit unserem Rentenlücken-Rechner, um die nötige Sparrate realistisch zu kennen.
- Steuerhebel nutzen. Für Gutverdiener kann die Kombination aus Depot, bAV, ETF-Mantel und Rürup die Steuerlast heute deutlich senken. Siehe Steuer-Tipps für Expats.
Häufige Missverständnisse
„Das ist doch nur Riester mit neuem Namen.“
Nein. Anlagelogik, Kostenstruktur und Garantieregeln sind grundlegend anders. Es ist das erste wirklich aktienfreundliche staatlich geförderte Produkt in Deutschland.
„Wenn ich Deutschland verlasse, ist alles weg.“
Nicht zwangsläufig. Innerhalb EU/EWR bleiben Zulagen voraussichtlich erhalten. Außerhalb hängt es vom finalen Gesetz und dem Doppelbesteuerungsabkommen ab.
„Die Zulage ist zu klein, lohnt sich nicht.“
Über 30 Jahre gerechnet ergeben 500–600 €/Jahr staatliche Zulage plus steuerfreie Verzinsung mit 5–6 % über 40.000 € zusätzliches Rentenkapital, praktisch geschenkt.
„Ich habe eine bAV, das reicht doch.“
Die beiden ergänzen sich. Das Altersvorsorgedepot deckt die *private* Säule ab, die bAV die *betriebliche*. Die meisten Expats brauchen beides.
Unsere Empfehlung
Das Altersvorsorgedepot ist die wichtigste Änderung der privaten Altersvorsorge für Expats seit einer Generation. Der richtige Aufbau hängt von Einkommen, Aufenthaltsplänen, bestehenden Verträgen und Steuersituation ab.
Wir helfen Expats:
- Alte Riester-Verträge sinnvoll fortführen, pausieren oder überführen
- Den passenden Depot-Anbieter wählen, sobald 2027 die Produkte live gehen
- Depot mit bAV, ETF-Anlage und ggf. Rürup zu kombinieren
- Das Ergebnis über den realistischen Zeithorizont in Deutschland zu modellieren
Lernen Sie uns in einem unverbindlichen Erstgespräch kennen, um vor dem Start 2027 optimal aufgestellt zu sein, und prüfen Sie mit unserem Versicherungs-Check, ob auch Ihre Absicherung passt.
> Hinweis: Dieser Artikel gibt den aktuellen Stand des Gesetzentwurfs wieder (2026). Endgültige Parameter. Beitragshöhen, Zulagen, Portabilitätsregeln, werden vor dem Start durch den Bundestag festgelegt. Der Inhalt ist rein informativ und ersetzt keine individuelle Steuer- oder Anlageberatung.