Warum diese Entscheidung jetzt zählt
Mit dem Start des Altersvorsorgedepots 2027 wird Riester für Neukunden eingestellt. Wer schon einen Riester-Vertrag hat, bei Expats sehr häufig, oft in der ersten Bankberatung nach Ankunft abgeschlossen, steht vor drei Optionen: behalten, ruhen lassen oder übertragen.
Die richtige Entscheidung ist über das restliche Erwerbsleben mehrere tausend Euro wert. Die falsche bindet Sie 20 weitere Jahre an hohe Kosten.
Option 1: Riester weiterlaufen lassen
Riester lohnt sich noch in wenigen Fällen:
- Es handelt sich um einen kostengünstigen Fonds-Riester (Effektivkosten prüfen!)
- Sie sind kurz vor der Rente (55+) und haben die Steuervorteile größtenteils schon realisiert
- Sie erhalten die volle Grund- und Kinderzulage und nutzen sie jedes Jahr aktiv
In den meisten anderen Fällen frisst die Kombination aus hohen Kosten und Rentenzwang die Rendite selbst gegenüber einem simplen ETF-Sparplan auf.
> Realitätscheck: Fragen Sie Ihren Anbieter nach den Effektivkosten. Alles über 1,2 % p.a. bremst dauerhaft Ihre Nettorendite.
Option 2: Vertrag beitragsfrei stellen
Eine Beitragsfreistellung bedeutet: keine neuen Einzahlungen, bestehendes Kapital und Garantien bleiben erhalten. Oft die beste Wahl, wenn:
- Die Kosten hoch sind, das Vertragsguthaben aber schon substanziell ist
- Sie sonst nur einzahlen, um die Zulage zu bekommen, und die Kosten alles auffressen
- Sie das monatliche Budget ab 2027 ins neue Altersvorsorgedepot lenken wollen
Die Beitragsfreistellung ist in den meisten Verträgen reversibel und lässt die steuerliche Behandlung unberührt. Für die Mehrheit der Expats, die wir beraten, ist das die Standard-Empfehlung.
Option 3: Übertragung ins Altersvorsorgedepot (ab 2027)
Der Gesetzentwurf sieht ausdrücklich die Übertragung bestehender Riester-Guthaben ins neue Depot vor. Details kommen mit dem finalen Gesetz, die Richtung ist aber klar:
- Die Übertragung soll steuerneutral erfolgen (keine Rückforderung alter Zulagen)
- Das übertragene Kapital wechselt in das günstigere Kosten- und Auszahlungsregime
- Sie gewinnen Zugang zu ETFs und flexibler Auszahlung statt niedriger Rentenformel
Gerade für Expats mit teuren Versicherungs-Riester-Verträgen ist das voraussichtlich der wirkungsvollste Schritt, den 2027 möglich macht.
Entscheidungsrahmen für Expats
Stellen Sie sich diese Fragen der Reihe nach:
- Plane ich langfristig in Deutschland oder der EU/EWR zu bleiben?
→ Nein: meist beitragsfrei stellen; Übertragung lohnt oft nicht.
→ Ja: weiter zu Frage 2.
- Ist mein Riester ein kostengünstiger Fonds-Riester (Effektivkosten < 1,2 %)?
→ Ja: vorerst weiterlaufen lassen, nach 2027 neu bewerten.
→ Nein: weiter zu Frage 3.
- Ist das Vertragsguthaben signifikant (z. B. > 10.000 €)?
→ Ja: beitragsfrei stellen und 2027 übertragen.
→ Nein: beitragsfrei stellen und das neue Depot zum Hauptvehikel machen.
Unser Rentenlücken-Rechner zeigt, wie viel Ihrer Zielrente das neue Depot decken muss, diese Zahl bestimmt die Sparrate deutlicher als der alte Vertrag.
Häufige Fehler von Expats
- Riester komplett kündigen, löst die Rückzahlung von Zulagen und Steuervorteilen aus. Fast nie sinnvoll.
- 2026 noch einen neuen Riester abschließen, bindet Sie an ein auslaufendes Produkt; die Zukunft ist das Depot.
- Bis 2027 abwarten ohne Plan. Sie verlieren 12 Monate Vorbereitung; besser jetzt schon durchrechnen.
- bAV vergessen, die betriebliche Altersvorsorge ist von der Riester-Reform unberührt und bleibt ein starker Steuerhebel.
Weiterlesen: Altersvorsorge für Expats in Deutschland und ETF-Investieren als Expat.
Was Sie noch dieses Jahr tun sollten
- Riester-Unterlagen heraussuchen und Effektivkosten, aktuellen Wert und garantierte Rente notieren.
- *Jetzt* entscheiden, welche der drei Optionen passt, nicht warten, bis 2027 das Chaos startet.
- Monatliches Budget freimachen, damit Sie 2027 vom ersten Tag an die volle Zulage im neuen Depot mitnehmen.
- Termin bei einem englischsprachigen Berater buchen, der beide Regime kennt.
Lernen Sie uns in einem unverbindlichen Erstgespräch kennen, um Ihren Riester-Vertrag zu prüfen und den Übertragungsplan ins Altersvorsorgedepot zu erstellen.
> Hinweis: Rein informativer Inhalt auf Basis des Gesetzentwurfs 2026. Finale Regeln zu Übertragung, Portabilität und Steuer werden vor dem Start festgelegt. Keine individuelle Steuerberatung.